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Freitagsgedanken – Meine Abrechnung mit Deutschlands Wiedervereinigung

Hallo Leute,

wir haben heute wieder Freitag. Nachdem Ihr lange Zeit nicht mehr an meinen Freitagsgedanken teilhaben durftet; ist es nun Zeit, Euch wieder an meinen Freitagsgedanken teilhaben zu lassen.

Kommen wir direkt auf den Punkt. Am vergangenen Montag war am 03.10.2016 der Tag der deutschen Wiedervereinigung gewesen, wo Deutschland die Wiedervereinigung von Ostdeutschland mit Westdeutschland gefeiert hat. Grund genug für mich, in meinen heutigen Freitagsgedanken meine Gedanken und meine Meinung zu diesem Tag niederzuschreiben.

Freitagsgedanken – Meine Abrechnung mit Deutschlands Wiedervereinigung

Tom bloggt seinen alltag, freitagsgedanken, wiedervereinigung, deutschland

Der Eine oder Andere von Euch weiss sicher; dass ich in der ehemaligen DDR aufgewachsen bin und dort in Ostdeutschland insgesamt 26 Jahre gelebt habe, bevor ich vor 17 Jahren Ende 1999 nach Westdeutschland gegangen war. Die Wenigsten von Euch werden wahrscheinlich wissen, wie das wirkliche Leben in Ostdeutschland bzw. in der ehemaligen DDR war und die Wenigsten von Euch werden auch wissen, wie das wirkliche Leben in Westdeutschland ist. Ich habe Beides erlebt und daraus meine Konsequenzen gezogen. Welche Konsequenzen dies genau sind und die Hintergründe dazu; das erfahrt Ihr im Laufe meines heutigen Beitrags bzw. am Ende von diesem Beitrag.

Fangen wir aber erst einmal ganz am Anfang an, Anfang des Jahres 1989.

1989 – bevor die Mauer gefallen ist

Wir schreiben das Jahr Anfang 1989. Ich bin zu dieser Zeit in der 9.Klasse mitten in der sozialistischen DDR. Sicher, mir fehlen die Sachen, welche meine Mitschüler mit Westbekanntschaft haben:

  • Kinder Überraschungs-Eier
  • schicke Jeans
  • halt all diese Sachen, welche es im Westen bzw. in der BRD zu kaufen gibt

Oftmals drücke ich mir darum meine Nase an den Intershop-Läden platt. Nun, Ihr wisst nicht, was ein Intershop-Laden ist?  Das waren in der Ex-DDR diese Läden, wo man Westwaren gegen Forumschecks kaufen konnte. Bestimmt wisst Ihr auch nicht, was ein Forumscheck ist. Nun ja, in der Ex-DDR konnte man nicht so einfach mit der D-Mark einkaufen gehen. Man musste sie entweder in DDR Mark umtauschen oder halt in Forumschecks. Ausschliesslich mit den Forumschecks konnte man in diesen Intershop-Läden Westwaren einkaufen. Falls Ihr wissen möchtet, wie solch ein Forumscheck ausgesehen hat; so googelt einfach mal danach.

Ich war neidisch darauf. Das gebe ich frei zu. Heute erkenne ich, dass ich damals genauso, wie viele Menschen auch heute sind, einfach nur dem Konsum-Wahn verfallen war.

Denn welche für gute Sachen hatten wir denn in der Ex-DDR gehabt?

  • die ganze Woche günstiges Schulessen für 2,75 Ost-Mark
  • kostenloses Ferienlager bzw. für uns Älteren das Lager für Arbeit und Erholung
  • sehr günstige Fahrschule
  • günstiges Schulmaterial
  • gesicherter Ausbildungs- & Arbeitsplatz
  • und viele weitere, vor allem sozial sehr angenehme, Sachen

 

Ach richtig, und vormilitärische Ausbildung für uns Jungs gab es auch. Noch im Sommer 1989 war ich in einem sogenannten Wehrlager gewesen und habe dort mit 16 Jahren praktisch das gelernt, was man mir später mit 21 Jahren beim Grundwehrdienst bei der Bundeswehr beibringen wollte.

Zu diesen Zeitpunkt ahnte von uns noch keiner, dass es ein Jahr später die DDR nicht mehr geben sollte. Ok, natürlich rumorte es damals schon ordentlich bei uns in der Ex DDR. Damals im Sommer 1989 machte ich auch Ferienarbeit in einem Restaurant. Nie werde ich vergessen, wie ich mich dort mit einem Mädchen, welches dort ebenso wie ich in den Ferien arbeitete, über die aktuelle Lage in der DDR unterhielt. Sie meinte damals zu mir „Thomas, die DDR wird es bald nicht mehr geben. Der Sozialismus ist bei uns so gut wie tot.“. Ich „Meinst du? Was soll danach kommen?“. Sie „Der Kapitalismus. Der ist schlimm und den möchte ich nicht erleben. Wenn der kommt, gehe ich nach Kuba. Dort herrscht noch kräftig der Sozialismus.“. Ich „Nein, dorthin kann ich nicht gehen. Ist mir zu weit weg.“. Damit war für uns erstmal das Gespräch erledigt.

Im September 1989 machte ich meinen Ausbildungsplatz in der damaligen DDR für mich klar. Ich wollte Lokführer bei der Deutschen Reichsbahn werden. Ging leider nicht. Die Plätze waren dort schon voll. Mhm, dumme Sache. Egal, ich war damals in einem Braunkohlenbergbau Gebiet daheim, also bewarb ich mich als Lokführer im Braunkohlentagebau. Blöd war nur, dass auch dort die Plätze schon voll waren. Aber, man fragte mich, ob nicht Lust hätte eine Ausbildung als „Maschinist für Mechanisierungsgeräte“ zu machen. Ihr kennt diese Berufsbezeichnung nicht? Macht nichts. Denn ich kann sie damals auch nicht. Als man mir dann sagte; dass ich in diesem Job Planierraupen, Radlader und Bagger fahre, war ich natürlich sofort dabei gewesen. Ich konnte meine Ausbildung kaum erwarten.

Warum ich Euch das so genau beschreibe? Weil damals sich damals, auf den Tag genau heute vor 27 Jahren, die damalige DDR Führung am DDR Feiertag „7. Oktober – Tag der Republik“ gross feiern liess und währenddessen tausende Menschen gegen die damalige DDR Führung lautstark „Wir sind das Volk“ protestierten.

Kennt Ihr das irgendwo her? Richtig. Am vergangenen Montag, dem 3.Oktober 2016, hatte sich die Bundesregierung in Dresden feiern lassen und dort protestierten ebenfalls lautstark mit „Wir sind das Volk“ tausende Menschen gegen die jetzige Bundesregierung und deren Politik.

Damals wie heute sprachen die Staatsmedien von einer Minderheit pöbelnder Randalierer. Die Staatsmedien standen damals schon und stehen auch heute auf der Seite der Herrschenden.

Bevor wir aber nun zu der heutigen Zeit kommen, machen wir erst einmal weiter mit dem, was damals in der DDR und bei der Wiedervereinigung mit der BRD geschah.

1989 – die Mauer ist gefallen

Am 09.11.1989 fiel die Mauer. Ich denke mal, das dürfte jeden von Euch bekannt sein. Damit wurde schlagartig der kalte Krieg zwischen Ost & West beendet und auch die alten Herrscher in der DDR wurden gestürzt. Auf einmal konnte jeder von uns DDR Bürgern in den Westen reisen. Natürlich reiste auch ich infolgedessen nach Westberlin und holte mir dort „meine“ 100 DM ab.

In den folgenden Wochen hatten wir in der DDR ( noch war sie die DDR ) einen mehr oder weniger rechtsfreien Raum. Egal was man machte, ausser Kapitalverbrechen; Alles war irgendwie richtig gewesen. Es war eine richtig geile Zeit.

1990 – Deutschland wird wiedervereint

Anfang 1990 wurden von den Politikern in der Ex DDR und der BRD die Weichen für die Wiedervereinigung Deutschlands gestellt. Um es klipp und klar zu sagen; für mich wurde die DDR nicht mit der BRD zu einem neuen Deutschland wiedervereinigt, sondern von der BRD sich einverleibt bzw. von der BRD annektiert.

Warum sage ich „von der BRD annektiert“? Ganz einfach, die Menschen in der DDR wollten zwar gern ein neues Deutschland, aber keine veraltete BRD haben. Uns Menschen in der alten DDR wurden die Normen der BRD aufgezwungen.

Man hatte damals eine grossartige und einmalige Chance verpasst, die besten Sachen aus der BRD mit den besten Sachen aus der DDR zu einem neuen Deutschland zusammenzuführen.

Stattdessen wurden in der Ex-DDR erst die  dortigen Firmen von den westlichen Firmen aufgekauft und dann geschlossen. Ist ja auch logisch. Der Westen befürchtete Konkurenz aus dem Osten Deutschlands.

Für mich bedeutete dies Folgendes; kurz bevor im September 1990 für mich meine Ausbildung zum Maschinisten stattfinden sollte, gab es eine grosse Versammlung. Dort wurde mir eröffnet, dass es meinen Beruf nach bundesdeutscher Ausbildungsordnung nicht mehr gibt und ich darum die Wahl habe, entweder eine Ausbildung zum Industriemechaniker oder zum Energieelektroniker zu machen oder mich arbeitslos zu melden. Gleichzeitig sagte man mir, dass ich nach 3,5 Jahren Ausbildung dann auf keinen Fall übernommen werde und darum wahrscheinlich arbeitslos sein werde. Das war zwar heftig, aber ich hatte erst einmal 3,5 Jahre eine Beschäftigung. Also wählte ich die Ausbildung zum Industriemechaniker. Dies war das erste Mal, wo ich die BRD bzw. den Westen hasste. Denn mir wurde abermals ein Traumjob verwehrt.

 

1999 – Deutschland ist schon lange wiedervereint

Inzwischen ist Deutschland seit 9 Jahren wieder ein Land. Das fand ich super. Wenn ich ein Auto kaufen möchte, so brauche ich darauf nicht 10 Jahre oder mehr warten. Und auch gebraucht kostet ein Auto nicht mehr Geld, als wie es als Neuwagen gekostet hat. Ein Fernseher kostet nun 700 DM und nicht 6000 Ostmark.  Ich kann überall dorthin reisen, wo ich möchte. Ja, ich liebte zu diesen Zeitpunkt den Westen für all diese Konsumgüter.

Ok, mein Job im Osten stand immer mehr auf wackligen Füssen. Und so kam es, dass ich mich Richtung Westen orientierte. Als im Westen bei der Bahn Lokführer zur Ausbildung gesucht wurden, nutzte ich meine Chance und ging in den Westen Deutschlands.

Die Wirtschaft in Ostdeutschland wurde durch den Westen kaputt gemacht. Somit wurde ich Ende 1999 zu einem Wirtschaftsflüchtling aus dem Osten Deutschlands, so wie es viele Landsmänner von mir auch waren.

Doch was erwartete mich hier im Westen Deutschlands als Wirtschaftsflüchtling? Bekam ich Unterstützung und Hilfe vom deutschen Staat? Nein. Hätte mir damals die Deutsche Bahn nicht die Chance zur Ausbildung als Lokführer im Westen gegeben; ich hätte keine Chance gehabt, hier im Westen Deutschlands Fuss zu fassen. Bekam ich gratis Kleidung und Essen? Nein. Auch darum musste ich mich selbst kümmern. Wurde ich hier herzlich willkommen? Nein. In meiner damaligen Ausbildungsklasse waren wir 12 Männer im Alter zwischen 24 und 30 Jahren. Erwachsene menschen also. Ich war der Einzige, welcher aus dem Osten Deutschlands kam. Alle anderen 11 Männer kamen aus dem Westen Deutschlands. Und sie versuchten mich wegen meiner Herkunft zu mobben. Jedoch liess ich dies nicht zu und wollte mich darum mit ihnen prügeln. Leider kniffen sie da und liessen es fortan mit dem Mobbing an mir sein.

Warum erzähle ich Euch so ausführlich davon, wie es mir ergangen war, als Deutschland wieder vereinigt war bzw. ich in den Westen Deutschlands kam? Ganz einfach. Auch heute haben wir aus anderen Ländern Wirtschaftsflüchtlinge in Deutschland. Aufgrund meiner Geschichte kann ich es auch gut verstehen, wenn diese Menschen hier her kommen. Schliesslich haben wir, der Westen, ihre Lebensgrundlage genau so kaputt gemacht wie damals dies der Westen Deutschlands es im Osten Deutschlands getan hat. Aber, ich habe kein Verständnis dafür, dass diese Flüchtlinge einfach Alles geschenkt bekommen und nicht, so wie ich früher, dafür zu kämpfen haben. Noch schlimmer finde ich, dass ich mittels Steuern und Sozialabgaben dafür zur Kasse gebeten werde.

2016 – Meine Abrechnung mit der Wiedervereinigung Deutschlands

Heute, 26 Jahre nach der Wiedervereinigung, halte ich überhaupt nichts mehr von der Wiedervereinigung Deutschlands. All diese Hoffnungen von 1990, auf ein neues und schönes Deutschland, sind bei mir zerstört. Unsere Politiker sind inzwischen genauso abgehoben wie die DDR Politiker damals 1989. Ich hoffe darum, dass diese Regierung und diese Gesellschaft genauso gestürzt wird, wie damals die DDR Regierung 1989 gestürzt wurde. Naja, wir haben ja auch noch nicht November.

Was gefällt mir an diesem Deutschland hier nicht mehr?

  • als Leistungsträger in Deutschland werde ich vom deutschen Staat ausgebeutet und verarscht
  • es gibt keinen Zusammenhalt unter uns Menschen in Deutschland
  • keiner lacht mehr gross
  • Solidarität bringt man den Flüchtlingen entgegen, aber unter der deutschen Bevölkerung ist dies Fehlanzeige
  • die Kriminalität steigt immer mehr und die (überforderte) Polizei jagt auf Anweisung des Innenministers lieber Autofahrer anstatt Kriminelle
  • die Freiheit des Westens existiert schon lange nicht mehr
  • man versucht uns den Gender-Wahn aufzuzwingen

Meine Konsequenzen für dieses kaputte Deutschland

Ich habe mit Deutschland abgeschlossen. Also werde ich so wenig wie möglich tun, um für Deutschland nützlich zu sein. Denn Deutschland ist dabei, sich abzuschaffen. Warum sollte ich mich dagegen stemmen?

Da in Deutschland nur Solidarität mit den Flüchtlingen gefragt ist, Merkel und Co. das Land komplett in jeder Hinsicht gegen die Wand gefahren haben, werde ich mich nur noch um mich selbst und meine Frau sowie um meine besten Freunde kümmern. Der Rest von Deutschland kann mich am Arsch lecken…

… und am Meisten kann mich die deutsche Merkel-Regierung mit ihren „Wir schaffen das“ am Arsch lecken. Für mich gibt es nur noch ein Motto “ Ich schaffe es… mit meiner Frau und meinen besten Freunden.“.

Es mag für Euch vielleicht verbittert klingen; aber Deutschland gibt es für mich nicht mehr.

Sobald wie möglich werde ich Deutschland verlassen bzw. durch die Welt reisen. Dann ist es mir absolut egal, was mit Deutschland wird. Aber vielleicht gibt es bis dahin, so wie damals 1989 in der Ex DDR, eine Revolution. Nur, was soll danach kommen? Damals stand der Weg fest -> go west. Und heute?

 

Nun bin ich wieder am Ende meiner heutigen Freitagsgedanken ankommen.

Mich würde hier Eure Meinung zu diesem Thema stark interessieren. Seht Ihr Deutschland genau so wie ich oder seht Ihr es anders?

Sagt es mir bitte. Ich bin sehr auf Eure Meinungen zu diesem Thema gespannt.

Ich wünsche Euch nun ein schönes Wochenende…

Danke dass Ihr mir zugehört habt,

Euer Tom

3 Kommentare

  1. Rainer Rainer

    Ein sehr schöner Text, Tom!
    Ich kann vieles von dem, was Du geschrieben hast, sehr gut nachvollziehen und auch unterschreiben – obwohl ich nicht aus der ehemaligen DDR stamme.
    Weiter so! Du bist auf dem richtigen Weg. 😀

    • Tombloggt Tombloggt

      Guten Morgen Rainer,

      danke für Deinen Kommentar und auch danke dafür, dass Du nachvollziehen kannst, wie ich diese ganze Sache mit der Wiedervereinigung sehe. Und danke auch für Deine Ermutigung, dass ich auf den richtigen Weg bin. Das ist ja zum Glück eines der Vorteile des Westens. Man kann einfacher aus ihm ausbrechen als damals aus der DDR.

      Viele Grüsse und eine schönes Wochenende wünsche ich Dir.

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